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Karsten
Blüthgen
Jazz. Unkersdorf bei Dresden erlebt die fünften
Jazztage. Freud und Frust liegen dicht beieinander. Eigentlich sollte
dieses Konzert so lange gar nicht dauern. Wenn aber die Chemie im
Raum stimmt, hört man nicht vor der Zeit auf. "Dresden"
rief Pascal von Wroblewsky nach gut drei Stunden dankend der berauschten
Fangemeinde in der Unkersdorfer Kirche zu. Wenn ihr Dresden sehr
am Herzen liegt, dann auch wegen des treuen Publikums, dem allmählich
auch die Unkersdorfer Jazztage auf dem westlichen Höhenzug der Stadt
ein Begriff werden. Erstmals kam Pascal von Wroblewsky mit "Bajazzo"
zum Fest - durchstreifte, durchlebte am Freitagabend in Unkersdorf
Fusion und Jazzrock, Latin und Soul. Mit der 1978 gegründeten
Band war sie schon in den Achtzigern verbandet. Vor ein paar Jahren
lebte die Beziehung neu auf und ist wohl ergiebiger geworden. Mit
"Hochleistungssport" vergleicht Pascal von Wroblewsky
den Part, den Jürgen Heckel, Gitarrist und Bajazzo-Mitbegründer,
in seinen Stücken und Arrangements für die Ausnahmesängerin vorgesehen
hat. Heckel gibt ihrer aus tiefster Seele wachsenden Stimme Raum
- etwa in Marvin Gayes "Inner City Blues". Heckels geschliffene
Gitarrenfiguren, Julia Hülsmanns atmosphärischer Tastenzauber und
Alfredo Hechavarias virtuose Bassläufe, obendrein das druckvolle
Drumming von Peter Michailow, die Flöten- und Saxophon-Einwürfe
Volker Schlotts - all diese originellen Meinungen verbanden sich
zu einem ausgefuchsten Bandspiel, gekrönt mit Wroblewskys raumgreifendem,
scatfreudigem Gesang. Begeisterung und eine volle Kirche gab
es auch an den Abenden der "Klazz Brothers" davor und
danach. Am Sonnabend konzertierte das Dresdner Trio mit dem nicht
müde gewordenen brasilianischen Wundersänger Edson Cordeiro. Dennoch
- rechte Freude mochte im fünften Unkersdorfer Jahr nicht aufkommen.
Die Jazztage als überregional bedeutsames Festival etablieren -
das wünschen sich die Veranstalter und das mehr und mehr anbeißende
Publikum. Vielfarbige Höhepunkte in den letzten Jahren ließen daran
glauben: Quadro Nuevo, Modern String Quartet, Renaud Garcia-Fons
& Jean Luis Matinier, Klaus Doldinger. Starke Musik,
fast ohne Geld Diesmal war Großes unmöglich. Die Förderung
von Land und privaten Sponsoren blieb aus. Die drei Abende waren
ohne Ruin nur zu überstehen dank des freundlichen, ja freundschaftlichen
Entgegenkommens der Musiker. Dass dies wiederum auf Dauer die Künstler
in den Ruin treibt, wissen natürlich auch die Unkersdorfer Initiatoren.
Deswegen hoffen sie, die Lage würde sich 2006 wieder bessern - wie
auch immer. Pascal von Wroblewsky würde auf jeden Fall gern wiederkommen.
www.unkersdorfer-jazztage.de
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